Umbau zum echten Arbeitswagen

 


Funktionierender Schienen-/Oberleitungs-Schleifwagen

 

Wer kennt nicht das altägliche Problem: Wie reinige ich die Gleisstrecken, damit Fahrspaß und nicht Fahrfrust durch liegengebliebene Triebwagen aufkommt? Eine händische Säuberung ist dank filigraner Oberleitung nicht nur ein Fingerspitzengefühl, sondern auch zeitraubend. Als optisch ansprechende Lösung wurde ein vorhandener orangefarbiger Arbeitsbeiwagen von Hamann ertüchtigt.

 

Funktionierender Schienen- und Oberleitungs-Schleifbeiwagen für den Einsatz auf der Straßenbahnanlage.

 

Der Wagen selber entstammt einem "Bausatzbeutel", wie er durch Hamann vor einiger Zeit angeboten wurde.

 

Als Schleifeinheiten dienen für die Oberleitung ein Scherenstromabnehmer, der auf dem Schleifstück ein feines Schleifpapier aufgeklebt bekam (muss zyklisch je nach Abnutzung getauscht werden) und dessen Federn etwas kürzer eingehängt wurden. So ist der Anpressdruck etwas größer geworden. Für die Schiene wurde die Schleifeinheit eines Roco-Schleifwagens entnommen.

 

Das Innenleben des Schleif-Bw's. Deutlich ist der gekürzte Ballastblock des Roco-Schleifwagens und die Modifikation der Fahrwerksblende für den größeren Achsstand zu erkennen.

 

Um Einbauplatz für den Schleifgummi zu erhalten, musste der Achsstand des Beiwagens vergrößert werden. Dank der modularen Bauweise der Hamann-Aufbauwagen war dies durch geeignete Neuanbringung der Fahrwerksblende schnell zu machen. Die beiden Seitenstege auf der Fahrwerksunterseite müssen allerdings abgeschliffen werden, damit die Räder Platz haben. Der Träger des Schleifgummis wird entsprechend dem vorhandenen Platz an beiden Enden gekürzt und zwei neue Führungslöcher gebohrt.

 

Passend zum Motorausschnitt im Fahrwerk wird ein 6 mm starker Träger erstellt (z.B. aus einem Polystyrolprofil), in den mit den Originalschrauben von Roco der Schleifblock befestigt wird. Für das Arbeitsgewicht sorgt auf der Oberseite des Trägers der fest angeklebte gekürzte Roco-Ballast. Dieser passt nach dem Absägen an den beiden Einbuchtungen genau zwischen die beiden Innenraumwände des Hamann-Wagens, somit muss somit nur mit zwei kleinen Klebepunkten die ganze Einheit gegen das Verrutschen im „Tragefall” gesichert werden.

 

In der Unteransicht sind deutlich die Modifikationen am Roco-Schleifgummiträger zu sehen. Das hervorschimmernde weiße Kunststoffteil ist der Träger, der oben mit dem Ballastblock verklebt und in den unten der Schleifblock verschraubt ist

Wie am Gummi zu erkennen ist, hat der Arbeitswagen bereits seinen ersten praktischen Einsatz erfolgreich hinter sich gebracht.

 

Der Wagen benötigt dank seines nun großen Gewichts ein leistungsstarkes Triebfahrzeug. Wenn er im ständigen Umlauf mit dem passenden Hamann-Tw verkehren soll, wird das Gewicht zu hoch sein. In diesem Falle muss ein anderes leichteres Gewicht verwendet werden. Die Kato-Triebwagen eignen sich in der Praxis dank ihres höheren Eigengewichts besser als die originalen Hamann-Modelle, wenn man das Kupplungsproblem zwischen Hamann und Kato löst.

 

Ein weiterer exotisch aussehender Schleifwagen

 

Betrieblich entstand schnell der Wunsch nach einem weiteren funktionierenden Schleifwagen für den praktischen Anlageneinsatz. Mit den bisherigen Umbau- und Einsatzerfahrungen des entsprechenden Aufbauwagens mit Roco-Schleifeinrichtung war der Wunsch nach einer einfacheren Bauweise und ebenfalls leichterer Fahrweise aufgekommen. Für den vorhandenen recht schweren Beiwagen bedarf es eines starken und schweren Triebwagens. Meist wird hierfür sogar eine vierachsige Lokomotive verwendet, um nicht auf Steigungsabschnitten stehen zu bleiben.

 

Als Alternativfahrwerk zum Schienenschleifen bot sich der entsprechende Güterwagen von Märklin an. Der Aufbau ist thematisch und vor allem wegen der Wagenbreite für den Straßenbahneinsatz nicht geeignet. Bleibt das eigentliche Fahrwerk übrig. Dieses besitzt sogar seitlich eine obere Auflagekante, welche zum Befestigen an einem neuen Wagenkasten genutzt werden kann. Die normalen Radsätze sollten durch erhältliche alternative Gleichstromradsätze getauscht werden.

 

Erneut kam ein orangener Hamann-Arbeitsbeiwagen zur Verwendung. Von dessem Fahrwerk blieben nur die beiden Plattformen übrig, die passend eingekürzt wurden und die Befestigung der Betriebskupplung aufnehmen.

 

Mechanisch mußte nur beidseitig ein entsprechender Seitenausschnitt ausgebrochen werden. Die Wagenbreite paßt zur Auflagefläche des Märklinfahrwerks. Dieses führt zwar zu einem recht abenteurlichen Aussehen, die Fahreigenschaften sind jedoch ausgezeichnet.

 

Um die Oberleitung ebenfalls von Verschmutzung und Oxidation mechanisch zu reinigen, erhielt der Beiwagen einen älteren Scherenstromabnehmer mittig aufgeschraubt, der dann mit einem feinen austauschbaren Schleifpapier beklebt wird.

 

Fertig umgebauter Hamann-Aufbaubeiwagen mit eingesetztem Schleiffahrwerk von Märklin und aufgesetztem Stromabnehmer von Sommerfeldt mit Schleifpapier - fertig zum Streckeneinsatz.

 

Echter Schleifzug unterwegs auf der Anlage. Im Gegensatz zum vorherigen Modell ist dieser leichtere Beiwagen vorbildgerecht von einem passenden Triebwagen zu bewegen. Bei starken Verschmutzungen (nach längerer Betriebspause) ist der Schleifbeiwagen auch problemlos zu schieben.