Einblick in die Werkstatt

 


Etwas Hintergrund zum Selbstbau

 

Für einen eigenständigen Um- oder Eigenbau im Modellbahnbereich mit akzeptablem Ergebnis bedarf es keiner riesigen Werkstatt mit allen technischen Rafinessen. Die üblichen Werkzeuge reichen da in den meisten Fällen für die einfacheren Arbeiten aus. So sind Schraubendreher in den gängigen Größen, Flach- und Kneifzangen, Bastelmesser (Teppichmesser) sowie ein kleines Feilenset ein brauchbarer Anfang.

 

Um elektrische Arbeiten sauber durchführen zu können, ist ein Lötkolben zwingend. Für die doch teilweise winzigen Lötstellen an engen Stellen sollte dieses ein Elektroniklötkolben mit spitz zulaufender Lötspitze sein. Eine angemessene Leistung bewegt sich zwischen 16 und 30 Watt. Große „Bräter” eignen sich für elektrische Lötstellen im Modellbereich nicht. Sollen aber größere Metallflächen z.B. im Messng-Fahrzeugbau sauber miteinander verlötet werden, kann einem solchen Lötkolben durchaus die Energie ausgehen. Er schafft es einfach nicht, die Materialien so weit zu erhitzen, daß das Lot anfängt zu fließen. In so einem Fall braucht es doch auch mal einen leistungsstarken Lötkolben aus der großen Werkzeugkiste mit bis zu 80 Watt. Nach den grobschlächtigen Arbeiten darf dieser gerne wieder in der Werkzeugkiste verschwinden. Übrigens: ich verwende auch für solche Lötstellen normales (aber gutes) Elektrolot mit integriertem Flußmittel. Eher aus Faulheit habe ich es einmal verwendet und war mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Lötwasser oder -fett sind dadurch Fremdworte.

 

Gerade für Umbauten müssen nun aber auch mal Werkstücke mechanisch bearbeitet werden. Nun lassen sich mit einer einfachen Säge auch mal Teile zurechtstutzen. Ein wirklich brauchbares passgenaues Ergebnis wird in den meisten Fällen aber nur mit akuratem Fräsen erreicht. Für diesen Zweck habe ich mir eine geeignete Fräsbank angeschafft - zugegeben nicht ganz billig, aber qualitativ im Modellbereich über ziemlich jeden Zweifel erhaben. Zusammen mit einer kleinen und handlichen Handbohrmaschine und entsprechendem Zubehör (vor allem Bohrer, Säge- und Trennscheiben) ein unschlagbares Duo für alle anstehenden Arbeiten. Der Spaß hört dann auf, wenn es nach der Bearbeitung ans Saubermachen von Gerät und vor allem dem Umfeld geht. Es ist manchmal nicht zu glauben, wie weit Frässpäne fliegen können.

 

Kernstück zur mechanischen Bearbeitung sind ein Bohr-/Fräsständer mit Werkzeugschlitten und eine gut ausgestattete Kleinbohrmaschine.

 

Ein Modell kann noch so gut und akurat gebaut sein, wenn das Finish nicht stimmt. Die jahrelangen Pinsellackierungen haben mich in der letzten Zeit speziell bei Flächen nicht mehr so richtig befriedigen können. Als Lösung bot sich die Sprühtechnik - im neudeutschen Airbrush genannt - an. Nach mehreren durchaus erfolgreichen Versuchen bin ich dann bei der Hochdruckvariante hängengeblieben. Die Revell-Farben sind in der Konsistenz eher dickflüssig, weshalb ein sauberer Farbauftrag mit Sprühpistole am ehesten mit höherem Luftdruck erreicht wird. Letztendlich war die Alternative die Anschaffung eines Kompressors, der einen konstanten Arbeitsdruck von 2 bar garantieren kann. Hier heißt es aufpassen, da die Angaben der Hersteller sich meistens auf den Maximaldruck beziehen - und der ist eben überhaupt nicht identisch mit dem Arbeitsdruck, welcher viel niedriger ausfällt.

 

In der jetzigen Ausstattung bin ich mit den erreichbaren Lackierungsergebnissen sehr zufrieden. Auch übereinanderliegende (oder überlappende) Lackschichten fallen sehr glaubhaft aus. Das liegt zum Großteil auch daran, daß die einzelnen Schichtdicken sehr dünn sind. Da empfiehlt sich u.U. durchaus auch mal das Aufbringen von zwei oder drei dünnen Schichten mit der gleichen Farbe, um eine gewisse „stabile” Lackdicke zu erreichen. Aber immer dabei berücksichtigen: Vor dem Aufsprühen einer Lackschicht muß´die darunterliegende grundsätzlich ausgetrocknet sein.

 

Airbrush-Set zur sauberen Lackierung. Im Bild der leistungsstarke Kompressor und der „Farbkoffer” mit dem restlichen Zubehör.

 

Ab einer bestimmten Größe des vorhandenen Wagenparks kommt man als „Betriebsbahner” nicht umher, einen praktischen Mindestbestand an den gängigen Ersatzteilen vorzuhalten. Teilweise kommen diese aus den Ersatzteilbezugsquellen der unterschiedlichsten Firmen, aber auch Teile, die durch Umbauten übrig bleiben, wandern in diesen Bestand. Vereinzelt nehmen die Anzahl typischer Verschleißartikel durchaus auch etwas größere Dimensionen an - so zum Beispiel Haftreifen (ich verwende solche vom Fabrikat Fleischmann) oder auch Kardanschalen vom Roco-Antrieb. Diese neigen mit der Zeit gerne zum Einreißen wegen der Materialspannung.

 

Freilich schmerzt es sehr, wenn mal wieder die Rechnung für die bestellten Ersatzteile zu bezahlen ist. Für so manche Bestellung wäre da ein neues Modell alternativ möglich gewesen. Doch was hilft's - die vorhandenen Wagen wollen auch weiterhin gefahren werden können.

 

Exemplarisch zwei der vorhandenen Ersatzteilmagazine. Das obere beinhaltet vorwiegend Teile aus dem Roco-Straßenbahnprogramm.

 

Mit all diesen Voraussetzungen steht nun nichts mehr im Weg, den Wagenpark fahrfähig zu halten und auch für etwas Abwechslung zu sorgen. Sei es nun durch Umbauten oder gar Eigenbauten.

 

Kleine Auswahl an betriebsbereiten Straßenbahnmodellen in ihren Aufbewahrungsboxen. Für alle Modelle gleichzeitig ist auf der Anlage kein Platz. Die Vielfalt öffnet aber auch unterschiedliche Betriebsszenarien, was für größere Abwechslung sorgt.

 

Ein.Blick in den „Vorratsschrank” verrät: hier warten noch so einige Modelle auf ihre zukünftige Verwendung.